„Die Förderschule für Lernbehinderte ist sinnvoll“

Völlig falsch. Sowohl entwicklungspsychologisch als auch vom Lernerfolg her schadet die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen eher, als dass sie fördert. Kommen Schüler/Schülerinnen mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ zusammen in eine Klasse, stellt sich der so genannte „Cooling-Out“-Effekt ein. Die Schüler/Schülerinnen passen sich dem niedrigen Lernniveau an. 

Faktencheck:  

  •  Je länger das Kind an der „Lernbehindertenschule“ ist, desto „dümmer“ wird es (Wocken-Studie)
  • Die Lernleistungen sind schlechter als im inklusiven Unterricht (siehe: IQB-Studie, BieLieF-Studie)
  • Die meisten Kinder mit Förderbedarf haben den Förderbedaf Lernen, nämlich 40,7 % (siehe: Update Inklusion 2014, S.8)
  • Das Selbstkonzept der Schüler dieser Schule leidet (Schumann-Studie)
  • 77,2% der Schülerinnen/Schüler der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ erreichen keinen Schulabschluss (siehe: Studie Klemm, Bertelsmann-Stiftung, Sonderweg Förderschule. Hoher Einsatz, wenig Perspektiven, S.4).
  • Zahlreiche Studien haben ergeben, dass Kinder in inklusiven Settings deutlich mehr lernen als an Förderschulen (Bless 1995; Haeberlin u. a. 1990; Hildeschmidt/Sander 1996; Myklebust 2006; Tent u. a. 1991; Wocken 2007).
  • Kinder mit bestimmten Merkmalen sind überproportional häufig an der „Lernbehindertenschule“ vertreten („Institutionelle Diskriminierung“, siehe unten).

Die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ hätte schon längst durch den Gemeinsamen Unterricht ersetzt werden müssen. Prof. Wocken hat in seinen Untersuchungen gezeigt, dass der IQ sinkt, je länger ein Kind an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen ist. Die Forschungen von Tent u.a. (1991) und Wocken (2007) zeigen, dass die Intelligenz- und Leistungsentwicklung proportional zur Aufenthaltsdauer an der Förderschule negativ beeinflusst wird. Heißt: Je länger das Kind an der „Lernbehindertenschule“ ist, desto ungünstiger und schädlicher wirkt sich das auf die kognitiven Fähigkeiten aus. Für Hans Wocken ist die Förderschule „eine Schule der Armen, der Arbeitslosen und der Sozialhilfeempfänger“ (Wocken 2000, S. 501).

Gerade diese Förderschulform („Lernbehindertenschule“) ist die häufigste. Dass sie die Kinder schlecht fördert, ist bewiesen. Blickt man zurück, so erfährt man, dass diese Schulform auch nicht den Anspruch erhob die Kinder zu fördern, sondern die überfüllten Volksschulen zu entlasten („Entlastungsargument“). Der Gründer der Hilfsschulen Heinrich Ernst Stötzner sah im Jahr 1864 ein ganz anderes Motiv als das der Förderung zur Legitimation der Hilfsschule:

 „Die Volksschule hat andere Aufgaben zu lösen als sich mit Schwachen und Stumpfsinnigen herumzuplagen. Diese hemmen und hindern nur“ (Heinrich Ernst Stötzner, 1864).

Auch heute hat es mit Blick auf die Schülerschaft der Förderschule „Lernen“ den Anschein als wirke Stötzners Gedanke weiter fort. Der SPD-Politiker Christoph Ehmann nennt die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen „Schule für Ausgegrenzte“. Ehmann meint, dass die „Bereitschaft zur Ausgrenzung und zur Herstellung von Homogenität“ etwas völlig anderes ist, „als besondere Begabungen und Fähigkeiten zu fördern“ (Ehmann 2009, taz). Ehmann ist der Ansicht, dass die Einteilung von scheinbar homogenen Gruppen behinderter Kinder in Förderschulen nicht der Förderung diene, sondern „mit Versagens- und Abwertungserfahrungen verbunden“ ist (Ehmann 2006, taz). Der Glaube an Homogenität in Schulklassen und Lerngruppen ist so gesehen ein Irrglaube, denn Kinder/Jugendliche sind unterschiedliche Lerntypen und lernen unterschiedlich. Unser auf scheinbare Homogenität ausgerichtetes Schulsystem wird dem einzelnen Kind wenig gerecht. Christoph Ehmann meint:

„Die deutsche Schulpolitik ist noch heute von einer Homogenitätsideologie grundiert. Das ist verbunden mit dem politischen Willen zum Aussortieren und hat etwas Faschistisches“ (Ehmann 2006, taz).

Nicht nur Ehmann ist der Ansicht, dass Förderschulen junge Menschen stigmatisieren und sie aus den sozialen Beziehungen ihrer bisherigen Gruppe schleudern, bspw. indem das Kind mit dem Schulwechsel Bindungsabbrüche (Verlust des vertrauten Lernumfelds) erlebt und die Botschaft gesendet wird: Mit dir stimmt etwas nicht, du musst auf eine andere Schule (vgl. Ehmann 2006, taz). Auch Brigitte Schumann zeigt in ihrer Arbeit („Ich schäme mich ja so!“ Die Sonderschule für Lernbehinderte als „Schonraumfalle“), dass eine institutionelle Beschädigung stattfindet. Sie hat empirisch ausgearbeitet, dass die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes der Förderschüler/-innen der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen verhindert wird. Die Scham über den Ausschluss aus dem Regelschulsystem und der stigmabehafteten Sonderschulstatus haben negative Folgen für die Entwicklung des Selbstkonzeptes. So wird auch die Würde der Förderschüler/-innen verletzt.

Dass Kinder mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf „Lernen“ oder mit anderen Lernschwierigkeiten vom Gemeinsamen Unterricht profitieren, zeigen Bildungsvergleichsstudien. Kinder mit Behinderung, die an Regelschulen lernen, sind in ihrer Lese- und Rechtschreibkompetenz erfolgreicher als Kinder an Förderschulen (siehe: IQB – Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen oder Spiegel-Artikel: Inklusion: Behinderte Kinder lernen besser an Regelschulen 2014). Die Bielefelder Wissenschaftler/innen haben in der BiLieF-Studie festgestellt, dass Schüler/innen mit Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht messbar mehr lernen als Schüler/innen, die exklusiv an Förderschulen beschult werden (weitere Studien).

Auch Praktiker/Praktikerinnen zweifeln den Erfolg von „Lernbehinderten“-Schulen an. Die Lehrerin Rosa Anna Ferdigg unterrichtete an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und ist davon überzeugt, „dass Inklusion für alle ein Vorteil und ein separierendes System sehr diskriminierend ist“ (Ferdigg, Zeit, 2012).  Ferdigg ist der Ansicht, dass das getrennte Lernen auf Förderschulen eher schadet und die individuelle Förderung in Förderschulklasse nicht garantiert wird. Sie meint, „dass die Förderschule aber jedem Schüler ein individuelles Lernangebot macht, ist ein Mythos. Außerdem fehlt es unseren Schülern an positiven Vorbildern. Statt voneinander zu lernen, verstärken sie sich oft gegenseitig in einem destruktiven Verhalten. Sie wachsen eben in einer Parallelwelt auf“ (Ferdigg). So gesehen wird auch das soziale Lernen in einer inklusiven Schule, aufgrund vielfältiger Vorbilder, besser gefördert.

Prof. Dr. Jutta Schöler und Prof. Dr. Reinhard Burtscher gehen (stellvertretend für das Netzwerk Integrationsforschung) davon aus, dass „in der Bundesrepublik Deutschland sowohl gesamtgesellschaftlich als auch insbesondere im Bildungssystem keine Chancengleichheit besteht. Die Befunde gleichen sich seit über 30 Jahren“ (Burtscher/Schöler 2006 in Overwien/Prengel: Recht auf Bildung. Zum Besuch des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen in Deutschland, S. 38). In einem Offener Brief (Resolution) der 20. Tagung zur Integrationsforschung 2006 an den Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen Muñoz schreiben sie:

 „In den Sonderschulen (Förderschwerpunkt Lernen) findet sich

– eine Überrepräsentanz der Kinder nichtdeutscher Herkunft,

– eine Überrepräsentanz der Armen,

– eine Überrepräsentanz der Jungen,

– eine Überrepräsentanz von Kindern arbeitsloser Eltern,

– eine Überrepräsentanz der Kinderreichen und

– eine Überrepräsentanz von Kindern, die von kultureller Armut betroffen sind.

Es konnte nachgewiesen werden, dass die Sonderschule nicht in der Lage ist, diese Benachteiligungen zu verringern. (…) Es ist anzunehmen, dass diese Ergebnisse auch auf andere aussondernde Bildungsinstitutionen zutreffen“ (Burtscher/Schöler 2006 in Overwien/Prengel, S. 38).

Auch der Hinrforscher Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther meint, es sei „‚hirntechnisch‘ günstig, wenn Kindern Gelegenheit geboten wird, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, die anders sind als sie selbst, die älter oder jünger sind, die unterschiedliche Begabungen besitzen, manches besser, anderes schlechter können als sie selbst“ (Hüther: Warum macht Integration schlau? 2008, S.311). Denn das fördere das Problemlösungsverhalten. Durch „möglichst viele und möglichst verschiedenartige Herausforderungen und Aufgaben“ können Kinder lernen, „eigene Erfahrungen sammeln und in Form komplexer Verschaltungsmuster in ihrem Gehirn verankern“ (Hüther 2008, S.311). „Wer Kinder nach bestimmten Gesichtspunkten aussortiert und voneinander trennt, hindert sie also zwangsläufig daran, voneinander zu lernen und miteinander die Welt zu gestalten“ (Hüther: Interview mit eine-schule-für-alle). Inklusive Lernsettings fördern also die Gehirnentwicklung, während sich der Besuch der „Lernbehinderten“-Schule nachteilig auswirkt.

Auf die Frage, was eine „Lernbehinderung“ denn genau sei, gibt es keine eindeutige Antwort. Fest steht, dass „Lernbehinderung“ eine deutsche Kategorie ist, die andere Länder nicht haben. Die Hilfsschule wurde Ende des 19. Jahrhunderts für all diejenigen, die dem Frontalunterricht in der Volksschule nicht folgen konnten, geschaffen. Ziel war die Entlastung der Volksschulklassen. Schon immer gehörten Schüler/-innen aus Familien mit niedrigem sozialökonomischen Status zu der Schülerschaft dieser Förderschule. Dass bei diesen Kindern/Jugendlichen ein „Intelligenzdefizit“ vorliegt, ist nicht wirklich nachweisbar, vielmehr benachteiligt die allgemeine Schule bestimmte Kinder/Jugendliche (siehe Fabian van Essen: „‚Lernbehinderung‘ und Inklusion“). Fabian van Essen hat in dem Text „Lernbehinderung‘ und Inklusion“ ausgeführt, warum man die „Lernbehinderten“-Pädagogik, die man auch heute noch studieren kann, als „sonderpädagogisches Fehlkonstrukt“ (Begriff von Wüllenweber, 2004) sehen kann.

Der systemische Pädagoge Rolf Balgo zeigt in seiner „provokativen Anleitung“, dass „Lernbehinderungen“ konstruiert werden und immer vom Umfeld bzw. vom Bezugsrahmen abhängig sind. In der Bauanleitung „Wie konstruiere ich mir eine Lernbehinderung?“ zeigt Balgo mit Augenzwinkern, wie man sich eine „Lernbehinderung“ (2003) selbst erschaffen kann.

Übrigens erwirbt der überwiegende Teil der Schülerinnen/Schüler der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ (77,2%) keinen Schulabschluss (siehe: Studie Klemm, Bertelsmann-Stiftung, S.4). Es kann also behauptet werden, dass die Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen in vielerlei Hinsicht keinen Sinn macht. Die psychische Entwicklung (Selbstkonzept, Stigmatisierungsprozesse) wird negativ beeinflusst. Der Lernerfolg ist niedrig und die Aussichten auf einen Arbeits- oder Ausbildungplatz sind schlecht. Hinzu kommt, dass das Phänomen „Lernbehinderung“ höchst fragwürdig ist. Eine „Lernbehinderung“ hat nichts mit genetischen oder biologischen Ursachen zu tun. Die Etikettierung von Kindern/Jugendlichen, die nicht mitkommen, dient vielmehr dazu, dass die allgemeinen Schulen die Verantwortung abschieben und die „Lernbehinderten-Schulen“ sich legitimieren können. Die Folge ist eine institutionelle Diskriminierung einer bestimmten konstruierten Gruppe. Gute inklusive Schulen befassen sich mit Benachteiligung und Vielfaltsmerkmalen wie soziale Herkunft und Armut und stellen Bedingungen her, so dass alle Schüler/-innen gut lernen können. Dafür müssen inklusiven Schulen genügend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Aufgrund der empirischen Befunde hätten die Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen schon längst durch integratives Lernen ersetzt werden müssen“ (Dr. Irene Demmer-Dieckmann).

Irene Demmer-Dieckmann bringt die Forschungsergebnisse zur Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ auf den Punkt:

„Während für die integrative Förderung positive Ergebnisse vorliegen, belegen zahlreiche Studien die kognitive Ineffizienz der Schule für Lernbehinderte. Ältere und aktuelle Studien (Tent u.a.1991; Wocken 2007) weisen nach, dass die Intelligenz-und Leistungsentwicklung umso ungünstiger verläuft, je früher Schüler in Förderschulen überwiesen werden. Dagegen verläuft sie umso günstiger, je länger sie in Regelschulen unterrichtet werden (bei gleichem IQ und gleicher sozialer Herkunft). Seit Jahrzehnten wird immer wieder festgestellt, dass die Förderschule eine Schule für Kinder von arbeitslosen, armen und oft kinderreichen Eltern ist, in der vor allem Jungen und in westlichen Bundesländern Schüler mit Migrationshintergrund überrepräsentiert sind (Begemann 1970; Hildeschmidt/Sander 1996; Wocken 2007). Das anregungsreduzierte Lern- und Entwicklungsmilieu in Klassen, die sich ausschließlich aus Schülern mit gescheiterten Schulkarrieren zusammensetzen, ist Hauptursache für die schlechten Ergebnisse (Systemeffekt) und kann – so Wocken – zu »kognitiver Friedhofsruhe« führen. Die Nachteile der sozialen Herkunft dieser Schüler werden durch ein quantitativ und qualitativ reduziertes Anspruchsniveau, methodische Kleinschrittigkeit und zeitlichen Reduktionismus (viele Störungen und Absentismus) institutionell verstärkt (Wocken 2007). Das bildungsarme Lernniveau kann durch die besseren Lernbedingungen in kleineren Sonderschulgruppen und durch spezialisierte Lehrkräfte und noch so guten Unterricht kaum kompensiert werden. Diese Schüler am Rand der Gesellschaft werden durch schulische Aussonderung zusätzlich benachteiligt, ihre Bildung wird behindert“ (Irene Demmer-Dieckmann in Forschungsergebnisse zum Gemeinsamen Unterricht).

altes System ©Inklusionsfakten

Hüther G (2008). Warum macht Integration schlau? In: mittendrin e.V. (Hg.) Eine Schule für Alle. Books on Demand GmbH Verlag, Köln, 311-313.

Tent, L./Witt, M./Zschoche-Lieberun, Chr./Bürger, W. (1991): Ist die Schule für Lernbehinderte überholt? In: Heilpädagogische Forschung (17), Heft 1, S. 3 – 13.

Wocken, H. (2000): Leistung, Intelligenz und Soziallage von Schülern mit Lernbehinderungen. Vergleichende Untersuchungen an Förderschulen in Hamburg. Zeitschrift für Heilpädagogik 51 (12), 492-503.

Wocken, H. (2007): Fördert Förderschule? Eine empirische Rundreise durch Schulen für »optimale Förderung. In: Demmer-Dieckmann, I./Textor, A. (Hrsg.): Integrationsforschung und Bildungspolitik im Dialog. Bad Heilbrunn, S. 35 – 59.

16 Kommentare

  • ….Kinder, die bisher als “ lernbehindert “ eingestuft werden ,bei integrierter Förderung zwar größere Lernfortschritte verzeichnen, aber im Vergleich zu Förderschülern stärker in ihrem Selbstwertgefühl beeinträchtigt sind. ( HAEBERLIN 1990 )
    -Was ist für das spätere Leben nun von höherer Relevanz?-Ein größeres Wissen oder ein stärkeres Selbstwertgefühl???
    An unserer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen haben in den letzten 10 Jahren übrigens 97% aller Schüler einen Hauptschulabschluss erlangt, und ein Großteil von Ihnen ist im ersten Arbeitsmarkt tätig.

  • Das ist ja ein seltsames Forschungsergebnis!
    Nach meiner Wahrnehmung haben die FörderschülerInnen gerade kein höheres Selbstwertgefühl als solche!
    Und an der Förderschule, Typ Lernen, an der mein Sohn seine Schulzeit verbracht, war ein Hauptschulabschluss (nach Kl. 9) die absolute Ausnahme.
    Großen Wert legte das Lehrerkollegium, voran die Schulleiterin, aber auf die eigene Bequemlichkeit. Dazu wurden sogar die jährlichen Meldungen an das Ministerim über die erbrachten Unterrichtsstunden gefälscht!

  • Alle Arten Sonderschulen gehören längst abgeschafft. Mein Sohn war lerntechnisch besser drauf, als er noch fälschlich in der Sprachheilschule war. Seit dem Besuch der Lernhilfeschule hat er abgebaut. Nun ist er in der 10. Klasse und hat in Mathe gerade mal den Stoff für die 3. bis 4. Klasse. Wie soll er denn damit eine Ausbildung schaffen?
    Die Lehrer verlangen von den Kindern Respekt, respektieren aber die Schüler nicht.

  • Die Lernhilfeschule nennt sich jetzt Grundschule. Das 8-jährige Kind besucht eine Klasse mit 18 Schülern, von denen 11 einen Förderbedarf haben. (ADS, lernbehindert, Migrationshintergrund mit völllig fehlenden Deutschkenntnissen). Der Unterricht erfolgt durch eine Lehrkraft. Das Kerncurriculum kann nicht umgesetzt werden. Das Kind ist recht intelligent, vielseitig interessiert, hat einen überdurchschnittlichen Wortschatz, kann als einziges Kind gut lesen….. langweilt sich, wird als Streber und Besserwisser gemobbt usw.. Das Kind zieht sich immer mehr zurück, zeigt sein Wissen im Unterricht nur noch selten, klagt häufig über Bauchschmerzen, will nicht zur Schule.

    Je länger das Kind an der „Lernbehindertenschule“ ist, desto „dümmer“ wird es (Wocken-Studie)

    Muss ich jetzt für dieses normal intelligente Kind das Schlimmste – kein Schulabschluss, keine Berufsausbildung – befürchten? Das Kind muss ja noch zwei Jahre die Grundschule besuchen….

  • leider nur die übliche ideologischen Verzerrung. Wissenschaftlichkeit wird nur vorgegaukelt.
    z.B: „In den Sonderschulen (Förderschwerpunkt Lernen) findet sich
    – eine Überrepräsentanz der Kinder nichtdeutscher Herkunft,
    – eine Überrepräsentanz der Armen,
    – eine Überrepräsentanz der Jungen,
    – eine Überrepräsentanz von Kindern arbeitsloser Eltern,
    – eine Überrepräsentanz der Kinderreichen und
    – eine Überrepräsentanz von Kindern, die von kultureller Armut betroffen sind.
    und ? was ist damit bewiesen ? NICHTS
    das sind reine Zusammenhänge und sagt über die Ursachen nichts aus.

    Wie üblich, wird bei dieser Ideologie verschwiegen, dass Intelligenz im hohen Maß erblich (genetisch) bedingt ist.
    Deswegen haben die Eltern lernschwacher Kinder selbstverständlich im Mittel (!) auch leistungsschwächere Eltern, die deswegen auch im Mittel (!) mehr arbeitslose Eltern haben (denn für diese Klientel gibt es kaum noch Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt) usw.
    „Überrepräsentanz der Kinder nichtdeutscher Herkunft“
    ja, ja – weil die bösen Deutschen diese Menschen so schlimm benachteiligen ….
    Natürlich wird hier ,wie fast immer, nicht unterschieden zwischen den verschiedenen Einwanderungsgruppen. Sind es zB.vietnamesische Einwanderer, oder israelische, oder französische? oder andere Gruppen. ZB wurden in den sechziger Jahren gezielt unqualifizierte und gering gebildete Arbeitnehmer aus der Türkei angeworben.- für
    Tätigkeiten, die es in dieser Art (mit diesem geringen Anforderungsprofil) heute kaum noch gibt. Diese Menschen haben mit (leider) hoher Wahrscheinlichkeit auch Kinder, die nicht leistungsfähig sind. Verstärkt wird das dadurch, dass diese Kinder bis auf den heutigen Tag getrennt vom Rest der Gesellschaft aufwachsen, dass diese Bevölkerungsgruppen sich eben nicht integrieren. Diese Kinder kommen häufig ohne jegliche deutsche Sprachkompetenz in die Schule, bzw. der Erwerb der deutschen Sprache beginnt erst in der ersten staatlichen Einrichtung. usw

    Gar nicht erwähnt wird auch, wie der Einfluss der Lernschwachen auf die anderen Schüler ist. Besonders, wenn nicht genügend Lehrer vorhanden sind bzw. wenn die Lernschwachen in großer Zahl in einer Klasse auftreten.

    Es wird – entsprechen der Ideologie völlig unterschlagen, dass die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft, (gerade heute in der globalen Konkurrenz) vor allem von der Leistungsfähigkeit der Leistungsfähigsten (ich sag mal 10 %) abhängt. Diese tatsächliche Leistungselite (hat nichts mit Geldadel oder politischer Elite zu tun!), sorgt weitgehend allein für technologischen Fortschritt, bestimmt die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft im globalen Wettbewerb.

    Die heute dominierende Ideologie fokussiert einzig auf das untere Ende. Dabei wird völlig ausgeblendet, das das Ausmaß, der für diese Gruppen zur Verfügung stehenden Ressourcen, weitestgehend von der Leistungsfähigkeit der oberen 10 % abhängt. Deswegen ist es im Interesse aller – und auch gerade im Interesse der „schwächeren“- dass diese Gruppe besonders gefördert wird. Aber das passt eben alles nicht in dieses ideologische Muster….
    Hans Meyer Dipl Psychologe

  • Jedes Kind verdient es, besonders gefördert zu werden. Und zwar an einer Schule, ohne diese ganze Sortiererei und Schulwechsel.
    Das geht in anderen Ländern auch.
    Das geht in jeder Famiile mit unterschieldlich alten oder begabten Kindern. Hier wird auch kein Kind in der Besenkammer untergebracht, weil es eben nur ein Kinderzimmer gibt und diese Resource natürlich dem begabteren Kind zusteht.

    Dass der Wohlstand von Deutschland allein auf der Nichtförderung behinderter Kinder fußt, möchten Sie wohl nicht sagen, nehme ich an.

    Als Psychologe können Sie sicher erklären, warum jüngere Geschwisterkinder in der Regel weiter sind als gleichaltrige Einzelkinder oder als ihre älteren Geschwister in dem Alter…
    (Stichwort: Vorbilder; Anregung)

    Man könnte auch sagen, die Theorie, behinderte Kinder lernen unter behinderten Kindern am Besten, ist etwas ideologisch gefärbt – mit Stich ins Bräunliche.

    • Ich behaupte nicht, dass behinderte Kinder unter behinderten Kindern am Besten lernen. Allerdings ist das, was derzeit an Schulen unter der Überschrift Inclusion läuft, besser mit dem Begriff Exclusion mit anderen Mitteln zu beschreiben. Jedes Kind hat das Recht auf eine begabungsgerechte Förderung in einer Umgebung, die es ihm möglich macht zu lernen. Dieses Recht – würde es denn durchgesetzt – kostet sehr viel Geld, das niemand bereit ist auszugeben.
      Bei den von Problemind angeführten Schulen sollte man etwas genauer hinschauen und wird dann feststellen, dass die behinderten Kinder nicht die gesamte Zeit im Klassenverband sind, aber auch, die schwerer behinderte Kinder gar nicht erst einen Anspruch auf Beschulung haben.

      Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich vor 28 Jahren keine Schule gefunden habe, die meine geistig behinderte Tochter aufnehmen wollte und sie die Sonderschule besuchen durfte. Dort wurde sie exzellent ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert. In ihrer Freizeit hatte sie Musikunterricht, ging in den Reitverein usw.. Die Freizeit wurde inclusiv gestaltet und sie konnte sich zu einer selbstbewussten und fröhlichen jungen Frau entwickeln. Sicherlich haben ihre nichtbehinderten Geschwister auch ihren Anteil daran.

      Haben behinderte Kinder, die einfach ohne die entsprechende Ausstattung der Schule mit Lehrern, Therapeuten und Schulbegleitern dazugesetzt werden, diese Chance auch? Ich wage zu behaupten NEIN.

      Inclusion, wie sie heute praktiziert wird, ist Ideologie pur. Niemand würde in ein Designerhaus einziehen, das weder Strom- noch Wasserversorgung hat. Nur den Kindern mutet man das zu.

  • Das, was noch heute – 8 Jahre (!!) nach der Ratifizierung – in Deutschland unter dem Begriff Inklusion betrieben wird, ist eine staatliche Kindswohlgefährdung sondersgleichen. Das, was seit vielen Jahrzehnten in Förderschule passiert, sowieso. Es gibt sie nämlich gar nicht, die homogene (Lern-)Gruppe. Weder in der Sonder- (jetzt „Förder-„)schule, noch in Grund-, Mittel-,Realschüler oder Gymnasien. Die homogene Lerngruppe ist ein Märchen! Jedes Kind ist verschieden- hat Stärken und Schwächen, Talente und Handicaps. Sie alle müssen individuell gefördert werden, in ihrem individuellen Tempo nach ihren individuellen Fähigkeiten. Und zwar alle zusammen an einem einzigen Lernort unweit ihres Wohnortes zusammen mit ihren Freunden und Vereinskameraden (Per-Group! ) . Dies ist unverzüglich umzusetzen. Und das funktioniert auch so, denn dass gesamte Personal ist bereits vorhanden. Es muss nur umstruktiert werden. Wir haben zur Verfügung stehende Sonderpädagogen durch die Schließung der Sonderschulen, genügend Gymnasiallehrer, die nach dem Studium auf eine Anstellung warten usw.
    Ja, es kostet sicher etwas mehr, alle Klassen zu verkleinern, mit einem Tandem zu besetzen und jeder Klasse einen Inlklusionshelfer zuzuordnen und dort dann nicht nur inklusiven Unterricht zu machen, sondern Inklusion zu leben. Denn nur dieser Weg bringt ALLE unsere Kinder wieder dahin, was unsere Väter nach dem Krieg aufgebaut hatten und jetzt seit mehreren Jahrzehnten wieder systematisch demontiert wird – nämlich in eine dann wieder miteinander funktionierende Gesellschaft.

  • In vielen Punkten gebe ich Ihnen recht ABER auch durch die Schließung der Förderschulen sind nicht ausreichend Förderschullehrer verfügbar. Ein Gymnasiallehrer hat nicht ausreichen pädagogische Kenntnisse (jedenfalls nicht durch das Studium erworben), um schwächere Schüler zu unterrichten. Es gibt auch nicht ausreichend Inklusionshelfer – genauer gesagt existiert noch nicht einmal eine Arbeitsplatzbeschreibung für diesen „Beruf“. Ein hochintelligenter, aber nicht sprechender, sondern mit gestützter Kommunikation sich äußernder Autist fluchte vor einiger Zeit über seinen Inklusionshelfer, mit Hauptschulabschluss, der ihn in der Oberstufe in Englisch und Mathematik begleiten sollte.
    Im gleichen Gebäude sicherlich, aber nur mit ausreichender Anzahl an Therapie und Rückzugsräumen. Wer je erlebt hat, wie EIN verhaltensauffälliges Kind permanent den Unterricht sprengte und zwar so nachhaltig, dass zahlreiche andere Kinder nicht mehr zur Schule gehen wollten, wird mir beipflichten. Wenn wir Inklusion leben wollen, müssen wir dahin kommen zuerst zu schauen, was braucht DIESES EINE Kind und wie können die Bedürfnisse der einzelnen Kinder auf einen ihm gemäßen Unterricht in dieser Klasse so befriedigt werden, dass alle profitieren.

    • Ja natürlich kostet das Ganze jetzt einmal richtig Geld. Geld, dass über Jahrzehnte zu Lasten aller Schüler und Studenten gespart wurde, muss JETZT nachgezahlt werden. Bildung ist eine Kernaufgabe des Staates und die Folgekosten für eine nicht adäquate Ausbildung unserer Kinder sind immens.
      Nun gilt es, den Wagen, den man ewig nicht gewartet und max. provisorisch repariert hat, komplett zu restaurieren. Jetzt sind eben die vielen arbeitslosen Gymnasiallehrer berufsbegleitend umzuschulen, Inklusionshelfer attraktiv zu bezahlen, so dass es für pädagisches Personal attraktiv wird, den Beruf auszuüben, Schulen befarfsentdprechend umzubauen usw.
      Wenn Politik und Wirtschaft nicht sofort jetzt umdenken, ist es für eine weitere Generation zu spät.
      In „Schnitt“ wie ihn vor vielend Jahren die Südtiroler gemacht haben, ist erforderlich. Die Zeit ist übetreif und günstig, wir haben dieses Jahr Wahlen 😉

  • Noch eine paar kurze Nachträge, auch zu den genannten Beispielen:
    Unabhängig von seiner Schulbildung muss natürlich jeder Inklusiondbegleiter entsprechend zu dem Bedarf des Schülers passen – dies sollte leistbar sein.
    Ein Schüler, der „den Unterricht sprengt“, wird dies auch in der Förderschule tun. Ich wage ausserdem zu behaupten, dass kein Schüler einen Unterricht sprengt, wenn man versteht, was in ihm vorgeht. Hierzu ist ggf. eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller mit seiner Hilfe befassten Personen erforderlich. Dies setzt allerdings grosses Vertrauen untereinander voraus – wobei wir wieder bei dem derzeitigen gesellschaftlichen Problem wären.

  • Sie sagen: dies setzt allerdings grosses Vertrauen untereinander voraus – und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Das gesellschaftliche Problem, dass Eltern nicht mit Schule zusammenarbeiten können/wollen – aus welchen Gründen auch immer – lässt sich nicht beheben. Dieses Problem ist auch nicht neu.
    Auch wenn Lehrer verstehen, was in solch einem auffälligen Kind vorgeht, heißt das noch lange nicht, dass sie bei allem Bemühen um dieses Kind die Auffälligkeiten beseitigen können. Aber auch für diese Kinder muss es eine Lösung geben. In der Förderschule ist die Klasse erheblich kleiner und die Lernziele sind viel mehr auf das einzelne Kind zugeschnitten. Im Sportunterricht dritte Klasse kann das Lernziel für das 1. Halbjahr z.B. sein, 5 Minuten Fußball ohne Foul zu spielen. Klingt auf den ersten Blick sehr leicht, ist aber für die Kinder Schwerstarbeit. Solch ein Ziel kann weder für eine Klasse mit 28 Schülern formuliert werden, noch ist es realistisch zu glauben, dass die Eltern der nicht oder weniger auffälligen Schüler damit einverstanden wären.

  • Wieso ist es so schwer, 5min ohne Foul Fußball? Ich spiele mit meiner Kinderfussballmanschaft regelmäßig das Spiel “ Fußball ohne Schiedsrichter „. Das funktioniert übrigens bestens!
    Wieso können Eltern nicht mit Lehrern oder Lehrer nicht mit Eltern? Weil beide voreinander ANGST haben! Warum haben Sie voreinander Angst?…..
    Sehen Sie das gesamtgesellschaftliche Problem jetzt? Größer, weiter, schneller, wichtiger, besser usw.
    Und wo kann man anfangen, diese Denkweise wieder zu revidieren? In der nächsten Generation. Also bei unseren Kindern! Füreinander, Miteinander, Zueinander statt Gegeneinander!
    Es kann und darf nicht passieren, dass erst wieder ein Krieg kommen muss, dass diese Umkehr im Denken eintritt. Wir alle müssen jetzt handeln. Inklusion bzw. Gute Schule für alle wäre ein ganz großer Schritt dahin. Dafür lohnt es sich, morgens aufzustehen und nicht für eine Gehaltsstufe mehr.
    Für Eltern, Lehrer, und alle Menschen in einer Gesellschaft

  • spielen sie mit einer kindermannschaft, deren mitglieder in einem sozialen brennpunkt leben?

    gute schule wäre in der tat ein schritt in die richtige richtung – aber der streit in der politik geht ja schon damit los: was ist eigentlich gute schule? und was muss gesamtgesellschaftlich geschehen, damit niemand mehr ausgegrenzt wird?

  • Schauen Sie mal unter
    http://guteschule.eu/index.php?nav=11&i=4&nao=1&ix=1_4x#1_4

    Und: Wo ist heute denn kein sozialer Brennpunkt?

  • Wenn es stimmt, dass behinderte Kinder in normalen Schulen besser und mehr lernen, dann muss man doch wenigstens die Frage stellen, wie das nun mit den anderen ist. Ob nicht überdurchschnittlich lernfähige Kinder unter ihresgleichen besser und mehr lernen? Wer wird sich denn noch anstrengen, wenn er ohnehin einsame Spitze ist, egal was er tut? Die „Förderung auch der Starken“ steht oft nur auf dem Papier, weil es dafür nicht mehr reicht. Das gilt nicht als primär wichtig.
    Die Inklusion könnte als unerwünschte Folge haben, dass alles zur Mitte hin nivelliert wird: Die Schwachen profitieren davon, die Starken werden sich eher ein bequemes Leben machen, wenn sie nicht als Streber gemobbt werden, oder gar auf dumme Gedanken kommen und stören.
    Warum gibt’s denn bei Marathonläufen gerade vorne immer solche Leute, die nur teilweise mitlaufen, um das Tempo anzugeben, und dann wieder ausscheiden? Antwort: Damit die Spitzenläufer nicht so einsam sind und sich an jemandem orientieren können.

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