„Einige Kinder mit Behinderung können auf eine inklusive Schule, andere Behinderungsformen sprengen den Rahmen“

Fakt ist: Menschenrechte und Inklusion sind unteilbar. Wer Inklusion von Behinderungsformen abhängig macht, hat nicht verstanden, um was es bei den Menschenrechten (Recht auf Teilhabe) und der Inklusion geht: Sie gilt für ausnahmslos alle. Die UN-Behindertenrechtskonvention unterscheidet nicht nach „Behinderungsformen“. Wer behauptet, Kinder mit Down-Syndrom sollten auf eine Regelschule, nicht aber Kinder mit autistischen Behinderungen, setzt die 2-Klassen-Politik und Selektionsprozesse fort.

Oft wird damit argumentiert, dass sich bestimmte Kinder besser anpassen können, weniger „behindert“ erscheinen und deshalb als besonders „integrierbar“ gelten. Doch Inklusion heisst nicht, dass nur die „angepassten“ Kinder gleichberechtigt am allgemeinen Unterricht teilhaben dürfen. Inklusion gilt für ausnahmslos alle. Auch Kinder mit so genannter „schwerer Mehrfachbehinderung“, Schülerinnen/Schüler, die nicht sprechen, die plötzlich laut losschreien, um sich mitzuteilen oder Schulerinnen/Schüler, die Schwierigkeiten haben mit Wut, Frust oder Trauer umzugehen, haben ein Recht auf inklusive Bildung. Dass sich dafür an den allgemeinen Schulen ganz schön was tun muss, ist klar. Denn ein reines „Dazuholen“ ohne den Unterricht, Unterstützungssysteme, das pädagogische und didaktische Konzept sowie die personelle, sächliche und räumliche Ausstattung entsprechend zu verändern, ist keine Inklusion. Überforderung auf allen Seiten ist dann vorprogrammiert.

Inklusion heisst: Nicht das Kind muss sich der Schule anpassen, sondern die Schule dem Kind. Das beduetet auch, dass notwendigen Rahmenbedingungen (Know-How, Materialien, Personal usw.) dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Viele Ressourcen sind bereits vorhanden, doch an Förderschulen gebunden. Während sich an Gymnasien und an Sonderschulen in Sachen Ausstattung eher die Vorteile potenzieren, potenzieren sich derzeit an inklusiven Schulen, Gemeinschafts- und Sekundarschulen eher die Nachteile. Die Bedingungen müssen dem Kind folgen, nicht der Institution.

Es gibt sicher Situationen, die in inklusiven Settings schwierig sind. Doch diese Situationen sind auch an Förderschulen schwierig. Andere Länder haben Methoden, Konzepte und Ideen entwickelt, die inklusiven Unterricht für alle Kinder mit Behinderungen ermöglichen. Das heisst auch, dass für besondere Situationen zeitweise besondere Lösungen gefunden werden müssen. Doch das geschieht an Schulen in der kanadischen Provinz New Brunswick (Inklusionsquote 100%) innerhalb der allgemeinen Schule. Und auch dort gibt es Schülerinnen/Schüler mit Autismus, Schülerinnen/Schüler, die plötzlich aufspringen und im Raum umhergehen wollen oder Schülerinnen/Schüler, die am liebsten Papier zerreissen. Doch sie sind und bleiben Mitglied der allgemeinen Schule und besuchen mit nichtbehinderten Mitschülerinnen/-schülern gemeinsam eine Klasse.

Nervige Sätze ©Inklusionsfakten

3 Kommentare

  • Entweder allemoder keiner!
    Aber ne nur solche und andere nicht geht ja mal überhaupt nicht.
    Glaube das einige mal das wort inklusion und warum und weshalb noch mals erklärt bekommen müssen! !!

  • Gibt es überhaupt Argumente gegen die exklusive „Schule“ oder ist das hier eine der zahlreichen Lobbys? Ist diese Diskussion überhaupt gerechtfertigt?

    Diese ja und jene nein ist aber jedenfalls der Gipfel!

    Ihre Bemühungen haben jedoch gefruchtet! Mein autistischer Sohn zum Beispiel geht jetzt auf eine allgemeine Gesamtschule und auch sonst zeigt das Konzept Erfolge!

  • Mein Kind ist integrierbar, aber.. die andere Kinder integrieren ihm nicht!
    Auf welche preis sollte man das weiter führen?
    :-/

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